reviews

SLAM ZINE #27 (2006)

Die mir bis dato völlig unbekannten FLUID TO GAS kommen aus Bonn und legen mit „Lemons For Lunch“ ihren vierten Langspieler vor. Das Bandinfo sagt, dass ihr Sound dem der frühen Washingtoner D.C.- Sound- Ära ähnelt. Das stimmt. Außerdem stimmen die Einstellung der Band, ihr Sound und ihre Songs. Ich muss zugeben, dass ich nach dem ersten Hördurchlauf etwas skeptisch war und die Scheibe undankbarerweise erst einmal ihr lediglich im Quicky entjungfertes Dasein fristen musste.
Damit die Freunde derartiger Musik nicht den gleichen Fehler begehen sei meine Schande hier eingestanden und dem geneigten Hörer dringend empfohlen gleich eine erhöhte Dosis dieser völlig in DIY- Manier entstandenen Platte einzunehmen. Die rhythmisch immer interessanten, melodiösen Songs fesseln mit getragener Energie, knallen auch ohne wirklich hart zu sein und überzeugen letztendlich durch Abwechslungsreichtum und ein hohes Gefühlsniveau.
„Dreams Humming“ beispielsweise beginnt schlicht, aber mit derart zarten Anschlägen dass es beinahe wehtut. In „Half Frozen Peach Juice“ überlagern sich die Melodien von Klavier und Gitarre und die beinahe geflüsterten Gesänge langen mit sanfter Gewalt direkt ins Gehirn. „Settle Down“ brät förmlich die Luft, entwickelt pulsierenden Eifer und zeigt, dass die drei Männer ihr Handwerk verstehen.
Ich behaupte jetzt einfach mal, dass der „Durchschnittskölner mit Indie- Anspruch“ nicht gerade oft den Weg nach Bonn findet. Das sollte er aber, denn so authentisch dargebotenen Postcore/ Indierock konnte ich bis jetzt in der Stadt des Doms noch nicht ausfindig machen.
(8)

..slam-zine.de